BEHÄLTER

Die Haltung erfolgt bei mir in geräumigen Aquarien, die wenigstens 6 x so lang, 3 x so breit und 3 x so hoch sind, wie die Schildkröte lang wird, als reinen Schwimmraum. Das heißt, für ein Chrysemys picta dorsalis- Weibchen, das bis 15 cm lang werden kann, ein Behälter von mindestens 90 cm länge x 45 cm breite x 45 cm Wassertiefe(!). Zum Beispiel  bewohnen zwei 13 cm Weibchen der Art, ein 90 cm langes x 60 cm breites x 50 cm hohes Aquarium das auch bis zum Rand mit Wasser gefüllt ist. Ein 9,5 cm großes Männchen der Art, bewohnt ein 80 cm langes x 50 cm breites x 50 cm hohes Aquarium, wobei hier der Wasserstand 35 cm beträgt.

Die Haltung bei einer Wassertiefe der doppelten Panzerbreite bzw. die gerade der Schildkrötenlänge entspricht, ist bei dieser Schildkrötengruppe vollkommen inakzeptabel.

                  

    Dieses selbstgebaute Paludarium hatte ich einmal in einer Altbauwohnung mit Dielenfußboden stehen. Bei der Planung großer Behälter, sollte ein Statiker hinzugezogen werden. Bewohner waren  Chrysemys picta dorsalis und Graptemys ouachitensis.

Die Aquarien für die Weibchen, haben einen Glasaufsatz mit einem eingebauten Behälter für die Eiablage, die für die Männchen haben nur eine Umrandung, damit sie nicht ausbrechen können. Bis auf die Frontscheibe, sind alle von außen mit Folie beklebt oder mit Farbe gestrichen,das den Spiegeleffekt mindert. Die Aquarien sind oben offen, damit keine stickige feuchtwarme Stauluft entsteht, in der sich leicht  Krankheitskeime entwickeln können.

EINRICHTUNG

Als Sonnenplatz dienen Korkrinden- Röhren die so befestigt sind, das sie zu einem Teil aus dem Wasser ragen und den Tieren die Möglichkeit geben, Fluchtartig in das tiefe Wasser zu springen. Unter Wasser sind Flachwasserzonen, die auch zum Schlafen benutzt werden eingerichtet. Einige Buchen- oder Eichenäste aus dem Wald, bei denen die Rinde entfernt wurde, vervollständigen die Unterwasserlandschaft. Bei  Arten, die mehr Deckung beanspruchen, wie z.B. Graptemys, sind einige Kunststoffpflanzen eingebracht. Auf Bodengrund, Pflanzen und größere Steinaufbauten wird zu Gunsten der schnellen Reinigung verzichtet.

                                                         

                                              Quarantäne- und Aufzuchtbehälter mit 150W HQI Leuchte

HEIZUNG + LICHT

Licht und Wärme sind natürlich gekoppelt und Sonnenplätze müssen nicht nur warm und trocken, sondern auch hell genug sein. Aus diesem Grund bestrahle ich meine Tiere mit HQI (Halogen- Metalldampflampen 70 W, 150 W) oder HQL (Quecksilber- Hochdrucklampen 50W, 80W, 125W). Bei einer 150 W HQI- Lampe, die soweit (ca.15 - 20 cm) über dem Sonnenplatz befestigt ist, das auf diesem eine Temperatur bis zu 45°C (im Zentrum des Lichtkegels) entsteht, messe ich bis zu 120000 lux. Das entspricht etwa der Beleuchtungsstärke, wie sie auch an einem  Sonnenplatz in der natürlichen Umgebung z.B. im Süden der USA vorkommt. Gerade für die Graptemys (Hertwig und Hohl 2000) sind  Lichtquantität und - qualtität also hohe Beleuchtungsstärken und Tageslichtähnliches Spektrum,  für das Wachstum besonders wichtig. Zur Allgemein- und Dämmerungsbeleuchtung dienen Leuchtstofflampen. Das Wasser wird mit herkömmlichen Aquarienheizern auf die entsprechenden Temperaturen beheizt. Abhängig von der Herkunft der Tiere, kommt es zu einem unterschiedlichen Jahreszeitlichen Verlauf der Beleuchtungsdauer, der Beleuchtungsintensität, der Temperatur am Sonnenplatz und der Wassertemperatur. Die Beleuchtungsintensität wird einfach, durch höher oder tiefer Hängen der Lampen geregelt. Dadurch wird gleichzeitig die Temperatur am Sonnenplatz auf etwa 25°C verringert oder auf bis zu 45 °C erhöht. Im November werden die Tiere auf die Winterruhe vorbereitet. Im Dezember und Januar sind sie in Winterruhe im Kühlschrank und im Februar werden sie wieder aus der Winterruhe genommen.

Nachfolgend ein Licht- Temperaturgradient wie ich ihn für Bewohner des südlichen Nordamerika wie Graptemys oculifera (Pracht- Höckerschildkröte) und Chrysemys picta dorsalis (Südliche Zierschildkröte) verwende (nach Hertwig und Hohl 2000).                                

 

JAN

FEB

MÄR

APR

MAI

JUN

JUL

AUG

SEP

OKT

NOV

DEZ

WT

10°C

15°C

20°C

22°C

24°C

26°C

28°C

28°C

24°C

20°C

15°C

10°C

HQI

0h

1h

5h

7h

8h

8h

8h

8h

5h

3h

1h

0h

LS

0h

5h

10h

12h

12h

14h

14h

14h

10h

7h

4h

0h

WT= Wassertemperatur; HQI= Strahler für den Sonnenplatz; LS= Leuchtstofflampe

Tiere die aus dem nördlichen Nordamerika stammen, wie Chrysenys picta picta (Östliche Zierschildkröte) oder Chrysemys picta marginata (Mittelländische Zierschildkröte) werden gleich gehalten, nur das die Überwinterungstemperatur im Kühlschrank 4°C beträgt. Tiere aus Mittel- und Südamerika pflege ich zur Zeit nicht.

UV- STRAHLER

Ich benutze keine UV- Strahler und verabreiche das Vitamin D3 über die Nahrung. Den Grund für “rachitische” Erkrankungen, sehe ich mehr in einer einseitigen mangelhaften Ernährung (falsches Calzium- Phosphor Verhältnis, Mineralstoff- und Vitaminmangel) und falschen Haltungsbedingungen (zu geringe Temperaturen am Sonnenplatz), als im Fehlen von UV- Licht.

FILTER

Gefiltert wird das Wasser mit Topfaussenfilter, die eine stündliche Umwälzleistung zwischen 1000 l/h bis 1800 l/h haben.Das Filtermaterial ist sehr grob und gut durchlässig. So kommen grober blauer Filterschaumstoff als erste Schicht, SIPORAX als mittlere und mittelgrober blauer Filterschaumstoff als letzte Schicht zum Einsatz. Feine Filtermaterialien sind ungeeignet, weil sie sich sehr schnell mit Sedimenten zusetzen und deshalb zu oft gereinigt werden müssen.Der Filtereinlauf ist wenige Zentimeter unterhalb der Wasseroberfläche angebracht, damit keine groben Schmutzstoffe die zum Boden sinken angesaugt werden.  Der Filterrücklauf  in das Aquarium erfolgt einige Zentimeter über der Wasseroberfläche, so das das Wasser mit Sauerstoff angereichert wird. Ein Rieselfilter über die Rückwand eines Glasaufsatzes befindet sich noch im Bau. Darüber werde ich später berichten.

MITBEWOHNER

In den Schildkrötenaquarien pflege ich Wildformen Lebendgebärender Zahnkarpfen. Diese fressen die kleinsten Futterpartikel, die von den Schildkröten nicht beachtet werden und aufkommenden Algenwuchs. Ab und zu wird ein Fisch gefressen. Sie vermehren sich aber so gut, das ich ständig welche abfischen muß. Die Fische dienen gleichzeitig als Bioindikatoren für das Wasser.

LITERATUR: S. Hertwig und C. Hohl.(2000) Sawbacks, Schidkröte 1,2