Die Pflege der Schildkröten unter den recht spartanischen Haltungsbedingungen ist relativ einfach. Täglich werden Heizung, Filter und Beleuchtung auf Funktion geprüft. Ist alles im grünen Bereich, werden die Schildkröten gefüttert. Weil auf Bodengrund, Pflanzen und andere Dekorative Gestaltungen verzichtet wird, ist der wöchentliche Reinigungsaufwand recht gering und schnell getan. Eine große Rolle spielt hier aber auch das Verhältnis, Schildkröte zur Wassermenge. Je größer die Wassermenge, desto geringer der Pflegeaufwand. Mehrmals in der Woche werden die groben Schmutzstoffe abgesaugt und das Wasser durch Frischwasser ersetzt. Um den Wasserwechsel möglichst schnell und einfach zu gestalten, habe ich einen “selbstablaufenden Absaugschlauch”. Ich brauch das Wasser also nicht am Schlauchende mit dem Mund ansaugen, was doch recht unhygenisch ist. Dazu habe ich unter dem Abwaschbecken, am Waschmaschinenanschluss an der Ablaufgarnitur einen Schlauch 16/22 mm (besser ist 25/34 mm) befestigt, an dessen anderen Ende ein passender EHEIM- Absperrhahn befestigt ist. Am anderen Ende des Absperrhahns ist ein Rohr befestigt. Der Rohrdurchmesser muß etwas kleiner, als der Durchlauf des Hahnes sein, damit der Schlauch nicht durch grobe Schmutzstoffe verstopfen kann. Zuerst muß der Schlauch mit Wasser gefüllt werden, in dem das Ende mit dem Absperrhahn genauso hoch, wie das Niveau des Waschmaschinenanschlußes gehalten wird. Mit einem Trichter wird das Wasser eingefüllt. Ist der Schlauch voll Wasser wird der Abssperrhahn geschlossen. Dieser Schlauch ist jetzt immer (bei geschlossenem Hahn) mit Wasser gefüllt. Wenn ein Aquarium abgesaugt wird, halte ich das Rohr unter Wasser und öffne den Hahn. Das Wasser läuft ab. Ist genug abgesaugt, wird der Hahn geschlossen und das Rohr “erst dann” aus dem Wasser genommen (Achtung das Wasser aus dem Rohr läuft noch ab), in das nächste Aquarium getaucht und abgesaugt oder der Schlauch zusammengerollt und unter dem Abwaschbecken verstaut. Nachteil dieser Methode ist, das für das Frischwasser ein zweiter Schlauch benötigt wird. Hat man mehrere Aquarien, wird der Vorteil dieser Methode schnell sichtbar, so das sich die Investition eines zweiten Schlauches lohnt. Ich hoffe die Erklärung war verständlich, demnächst gibt es Fotos. Alle zwei Wochen wird so ein Drittel bis etwa die Hälfte des Wassers durch Frischwasser ersetzt. Mehr als 50 % Wasser werden nicht gewechselt , weil sonst die Filterbakterien und die Fische in Mitleidenschaft gezogen werden. Auch wechsele ich nie das Wasser und spüle zur gleichen Zeit den Filter. Da meine Filter sehr grobes Filtermaterial haben, setzen sie sich nicht so schnell zu und ich muß sie nur ein bis zweimal in der Hauptaktivitätszeit spülen. Dabei wird das Filtersubstrat nicht sonderlich rein gewaschen oder gegen neues ausgetauscht, sondern nur mit dem Duschschlauch durchgespült. Das geschieht ebenfalls, um die Filterbakterien zu schonen. Filter haben ja nicht nur die Aufgabe sichtbare Schwebstoffe aus dem Wasser zu “filtern”, sondern das Substrat soll Siedelmöglichkeiten für die Bakterien bieten. Diese Bakterien wandeln die nicht sichtbaren Schadstoffe aus Kot, Harnstoff und Futterresten, wie Ammonium/Ammoniak zu dem weniger schädlichen Nitrit in das für Fische und Schildkröten relativ harmlose Nitrat um, indem sie die jeweilige Stickstoffverbindung als Nahrungsquelle nutzen. Da die Bakterien im Sauerstoffreichen Millieu nur bis zur Nitratstufe (Nitrifikation) “umwandeln”, sammelt sich dieses Nitrat langsam an und kann in sehr hohen Konzentrationen die Fische und Schildkröten schädigen. Deshalb muß das Wasser, auch wenn es augenscheinlich sauber aussieht, regelmäßig gewechselt werden um die Nitratkonzentration auf einem geringen Niveau zu halten. In der Natur läuft der Stickstoffkreislauf als Denitrifikation weiter ab und am Ende bleibt Stickstoff und Kohlendioxid übrig. Diese werden dann wieder durch Pflanzen und Tiere in Feste Stoffe (also Futter) umgewandelt. Mit einem Nitrat- Test aus der Apotheke, kann die Nitratkonzentration gemessen werden. Dabei darf das Nitritfeld nicht anzeigen. Färbt sich das Nitritfeld, arbeitet der Filter nicht richtig. Es gibt in der Literatur keine empfohlenen Nitratkonzentrationen für Wasserschildkröten, deshalb halte ich mich an die höchste Konzentrationen für Trinkwasser, die bei 100 mg/l liegt. Sicher werden 300 mg/l und mehr auch tolleriert, wir müssen aber daran denken, das die Schildkröten das Wasser auch trinken, in dem sie nicht nur schwimmen. Bei der Kontrolle der Wasserqualität, leisten mitbewohnende Fische einen guten Dienst, als Bioindikatoren. Wenn sie Luftschnappend an der Wasseroberfläche hängen, ist es allerhöchste Zeit einen Wasserwechsel zu machen oder nach dem Filter zu schauen. Bei regelmäßigen Pflegearbeiten dürfte so ein Fall aber nicht auftreten. Geht es den Fischen gut, sind die Wasserbedingungen für die Schildkröten bestens. Unter solchen Bedingungen ist das Wasser klar und geruchsfrei (d.h. das Wasser riecht nicht nach Kloake, sondern mehr nach Waldboden). Selbst bei den hohen Beleuchtungsstärken kommt es zu keinen übermäßigen Algenwuchs,. Wo Algen stark wachsen, ist das Nährstoffangebot (Nitrate, Phosphate) zu groß, die Wasserqualität schlecht. Ganz lassen sich Algen (meistens die festeren Grünalgen an den Scheiben und Dekorationsmaterialien) in Aquarien aber nicht verhindern und werden hin und wieder vor einem größeren Wasserwechsel abgeschabt, ebenso die Kalkränder die durch das harte Wasser entstehen.
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