Zu einer Tiergerechten Pflege, gehört auch die Einhaltung der Ruhezeiten. Eine Winterruhe halte ich für alle Arten aus dem gemäßigten Klima für wichtig, nicht nur zum Zweck der Fortpflanzung. Auch Schlüpflinge kommen gleich im ersten Lebensjahr in die Winterruhe, in der Natur gibt es auch keine Ausnahmen. Aus Angst um die Tiere, Bequemlichkeit oder reiner Ignoranz, unterlassen viele Halter diese Ruhezeit und wundern sich über die schlecht gewachsenen Panzer oder das die Schildkröten krankheitsanfällig sind. Ich halte nichts davon, die Tiere ständig bei gleichbleibenden Bedingungen zu  pflegen. Das macht sie träge und anfällig für Krankheiten. Wechselnde Temperaturen härten sie dagegen ab. Die Zeit in der meine Tiere in Winterruhe sind, nutze ich, um die Aquarien gründlich zu reinigen und eventuell umzubauen.

Diesen Licht- und Temperaturgradienten nutze ich für meine Zier- und Höckerschildkröten, die in den Südstaaten der USA, ihr Vorkommen haben z.B. Graptemys oculifera, G. nigrinoda aber auch G. versa, G.caglei und Chrysemys picta dorsalis.

 

JAN

FEB

MÄR

APR

MAI

JUN

JUL

AUG

SEP

OKT

NOV

DEZ

WT

10°C

15°C

20°C

22°C

24°C

26°C

28°C

28°C

24°C

20°C

15°C

10°C

HQI

0h

1h

5h

7h

8h

8h

8h

8h

5h

3h

1h

0h

LS

0h

5h

10h

12h

12h

14h

14h

14h

10h

7h

4h

0h

         WT= Wassertemperatur; HQI= Heizstrahler über dem Sonnenplatz; LS= Leuchtstofflampen

Da ich nicht über (Keller-) Raüme mit den entsprechenden Temperaturen verfüge, führe ich die Winterruhe im Kühlschrank durch. Ab Anfang November sind die Temperaturen im Aquarium, durch Temperaturabsenkung und Verringerung der Beleuchtungsdauer und der Lichtintensität, auf etwa 20°C bis 18°C gesunken. Wer seine Schildkröten aufmerksam beobachtet, wird auch eine Verhaltensänderung an seinen Tieren beobachten. Sie werden ruhiger, fressen nicht mehr so viel, meistens nur noch kleine Leckerbissen. Jetzt wird die Fütterung eingestellt. Etwa Mitte November, die Tiere haben dann 2 Wochen nichts mehr zu fressen bekommen, werden die Schildkröten einzeln in Kühlschrankdosen überführt, mit einer Wasserhöhe, die etwa der doppelten Panzerhöhe entspricht. Die Dosen müssen so gross sein, dass sich die Schildkröte bequem drehen kann. Der Deckel bekommt ein etwa 1cm grosses Loch, für den Luftaustausch. Zwischen Wasseroberfläche und Deckel, muss noch ein genügender Luftraum sein. Diese Dosen kommen nun für etwa 10 Tage auf die Fensterbank im Schlafzimmer. Das Fenster liegt in nördlicher Richtung und die Heizung bleibt aus.

Das  rechte Fenster ist zum Lüften angekippt. Das schwarze Moosgummi dient zur Verdunkelung.

So erreiche ich eine Temperatur von 15°C bis 10°C. Steigt die Temperatur höher als 15°C, wird ein Fenster zum lüften angekippt. Die Zeitung dient dazu, das die kühle Luft nicht direkt in die obersten Behälter gelangt. In den ersten Tagen rumoren die Schildkröten noch ein wenig,  werden aber mit zunehmender Kälte immer ruhiger. Gegebenfalls wird das Wasser gewechselt, wenn noch Kot abgegeben wird. Das Wasser bekommt keine Zusätze. Nach den 10 Tagen Fensterbrett, werden die Dosen in den Kühlschrank überführt.

Aus hygienischen Gründen und wegen der ständigen Störung , versteht es sich von selbst, dass die Schildkröten einen separaten Kühlschrank bekommen. Da kältere Luft immer schwerer als wärmere ist, entsteht auch im Kühlschrank ein Temperaturgefälle. So stelle ich die Schildkröten, die es ein wenig kühler mögen nach unten und die es nicht so kühl brauchen nach oben. Die untersten Dosen sollten nicht direkt auf dem Kühlschrankboden stehen, sondern z.B. auf Leisten, damit die Luft frei zirkulieren kann und keine Wärmebrücken entstehen. Im Verlauf einiger Tage wird die Temperatur artabhängig auf etwa 8° bis 10°C bzw 4°C bis 6°C heruntergeregelt. So verbleiben die Tiere unter wöchentlichen (max. 2x  pro Woche) Sicht-Kontrollen, für 2 bis 3 Monate im Kühlschrank. Diese Kontrollen reichen auch für den Luftaustausch aus. Allerdings wird die Temperatur und Funktion des Kühlschrankes jeden Tag kontrolliert.

Durchsichtige Behälter sind für die Sichtkontrolle besser geeignet. Die Kühlschranklampe sollte entfernt werden.
In den Gefrierfächern sollte Gefriergut (z.B. Wasserschalen) vorhanden sein, um die Temperaturschwankungen gering zu halten.

Dazu benutze ich ein Digital- Thermometer mit einem Aussenfühler, dieser liegt im Kühlschrank. So kann ich öfters die Temperatur kontrollieren, ohne die Kühlschranktür ständig zu öffnen. Im Kühlschrank selbst befindet sich zur Sicherheit noch ein analoges Minimal-Maximal- Thermometer. Werden die Tiere “geweckt” schalte ich den Kühlschrank ab und warte bis die Temperatur steigt etwa zwei bis drei Tage und öffne dann die Tür. Ich warte solange, bis die Temperatur in den Behältern, die des ungeheizten Aquarium (Zimmertemperatur) erreicht haben und setze die Schildkröten dann ein. Die Schildkröten werden recht schnell munter und beginnen bald mit dem Fressen. Anfangs sollte wenig, mit einer leicht verdaulichen Kost angefüttert werden. In den  nächstenTagen werden Beleuchtung, Strahler und Heizer entsprechend dem Temperatur- Lichtgradient zugeschaltet.

Selbst Tiere aus den Tropen oder Subtropen  z.B. von der Halbinsel Florida (Pseudemys rubriventris) oder aus Mittel- und Südamerika (Trachemys scripta calirostris, Trachemys scripta dorbigni) unterliegen einem Jahreszeitlichen Temperaturverlauf. Das Wasser kühlt sich in der Regenzeit um einige Grade ab und auch die Tageslufttemperaturen sind durch den Wolken verhangenen Himmel nicht so hoch. Bei solchen Tieren bietet sich die Teichhaltung im Sommer ( in Deutschland regnet es sowieso immer im Sommer :-) bei 20°-26°C WT als “Winterzeit” und eine Zimmerhaltung in der restlichen Zeit, bei entsprechend hohen Temperaturen 28° bis 30°C WT als “Sommerzeit” an. Werden solche Tiere ganzjährig im Aquarium gehalten, wird im Sommer das Wasser auf Zimmertemperatur gesenkt und der Wärmestrahler für zwei Monate  abgeschaltet, die Allgemeinbeleuchtung bleibt weiterhin 10 -12 Stunden am Tag an.